Importierte Effizienz

Der HC Davos steht gegen Riga im Spengler-Cup-Final – im 3. Drittel steht es 3:2

Der Gastgeber HC Davos hat am Samstagmittag die Chance auf den 15. Titelgewinn am Spengler-Cup. Einen bedeutsamen Beitrag leisten im HCD die Ausländer; sie sind für 12 der 14 Davoser Tore verantwortlich.
Anja Knabenhans, Davos

47 Sekunden vor Schluss trifft Petr Sykora ins leere Tor. Davos besiegt Vitkovice 4:2. Die Gastgeber stehen nach einem Jahr Pause wieder im Spengler-Cup-Final und haben die Chance auf den ersten Turniersieg seit 2006, den 15. insgesamt. Der abschliessende Treffer im Halbfinal ist Sykoras vierter in dieser Woche. Damit ist der Tscheche der effizienteste HCD-Skorer am Heimturnier, dahinter rangieren seine Landsleute Petr Taticek (3 Tore) und Pavel Brendl (2) sowie der Slowake Peter Sejna (2).

Konstanz der Torhüter

Dass Davos ein feines Händchen für die Verpflichtung von Ausländern besitzt, ist nichts Neues. Auch in der Meisterschaft treffen die importierten Spieler zuverlässig, dort liegt Sykora in der internen Rangliste derzeit mit 17 Toren in Führung. Der HCD verfügt aber auch über gute einheimische Skorer. Am Spengler-Cup konnten mit Dario Bürgler und Gregory Sciaroni indes erst zwei Schweizer einen Torerfolg feiern.

Die Davoser können am Spengler-Cup meistens auch auf starke Ergänzungsspieler zählen. Robbie Earl zeigte bisher eine hervorragende Leistung, erzielte ein Tor und gab 4 Assists. Der in Salzburg engagierte Amerikaner wird vom Trainer Arno Del Curto explizit gelobt: «Er hat eine profihafte Einstellung, ist extrem wendig, besitzt viel taktisches Verständnis und kann das Spiel gut lesen.» Der von den Rapperswil-Jona Lakers ausgeliehene Brendl konnte sich ebenfalls schnell in die Mannschaft integrieren.

Neben der Effizienz in der Torproduktion half dem HCD bisher die Konstanz seiner Torhüter. Am Freitag stand Leonardo Genoni im Einsatz, bis dato hat Del Curto immer zwischen seinem Meisterschafts-Stammgoalie und dem Bieler Reto Berra gewechselt. Am Samstag wird sich zeigen, wem der Headcoach im Final den Vorzug gibt.

Del Curto ist zwar mit dem Resultat der Halbfinalpartie zufrieden, nicht aber mit der Spielweise. Diese sei zu verspielt gewesen, mit zu wenig Zielstrebigkeit aufs Tor, kritisiert er. «Das ist zwar schön anzuschauen, aber gefährlich.» Die Aussage ist typisch für den Meistertrainer, der bei der Arbeit stets alles hinterfragt und sich und sein Team permanent weiterbringen will.

Auffälliger Exot

Vitkovice hätte die Davoser Verspieltheit beinahe bestraft, besass im Schlussdrittel mehrere Chancen auf den Ausgleich zum 2:2. Die Tschechen hatten sich nach dem miserablen Start mit der 1:7-Niederlage gegen das Team Canada im Turnierverlauf deutlich gesteigert und bereiteten dem HCD mehr Mühe als noch im Gruppenspiel vom Dienstag. Besonders auffällig war ein Exot: Der 17-jährige Australier Nathan Walker erzielte sein zweites Tor. Mit 12 zog er nach Tschechien, war der erste Australier in einer europäischen Eishockey-Profiliga und könnte diesen Sommer im NHL-Draft gezogen werden.