Leonardo Genoni räumte ab

Wenige Tage nach den ersten Bully ehrte das Schweizer Hockey an der Award-Gala in Vulliérens VD nochmals die Besten der letzten Saison. Leonardo Genoni (24) von Meister HC Davos wurde als wertvollster Spieler (MVP) und als Goalie des Jahres ausgezeichnet.

Leonardo Genoni räumte ab. Für die prestigeträchtigste Auszeichnung, jene des MVP, waren auch seine letztjährigen Teamkollegen Reto von Arx und Jaroslav Bednar nominiert gewesen. Bei der Jury, bestehend aus Journalisten und Verbandsvertretern, behielt aber der Torhüter, der zum zweiten Mal nach 2009 den HCD zum Titel «hexte», die Nase vorne. Genoni überzeugte nicht nur in der Meisterschaft, in der er neun Shutouts ablieferte und im Schnitt weniger als zwei Gegentore pro Spiel kassierte (1,92), sondern auch mit der Nationalmannschaft. So wehrte er an der WM in Kosice beim 3:4 nach Verlängerung gegen Kanada nicht weniger als 57 Schüsse ab.

Zum sechsten Mal hintereinander ging der MVP-Award an einen Schweizer Akteur. In den letzten elf Jahren schnappten nur zwei ausländische Kufenflitzer den Schweizer Stars den wertvollsten Award weg: 2003 Petteri Nummelin und 2005 Joe Thornton.

Genoni erhielt in «Portes des Iris», einem im 16. Jahrhundert erbauten prächtigen Anwesen beim Schluss Vulliérens, gleich zwei Awards. In der Kategorie «Torhüter des Jahres» (Jacques-Plante-Trophy) verwies Genoni seine Konkurrenten Ronnie Rüeger (Kloten) und Benjamin Conz (letzte Saison Langnau) auf die Plätze. Diesen Award übergab Frau Caroline R. Plante, die Witwe des legendären NHL-Torhüters Jacques Plante. Ausserdem gehörte Genoni zu den Finalisten in der Kategorie «Most Popular Player».

Zum zweiten Mal in der 15-jährigen Historie der Schweizer Awards räumte ein Goalie sowohl den MVP- als auch den Torhüter-Award ab. Zuvor war das nur 2007 Jonas Hiller (damals ebenfalls Davos) gelungen). Von seinem «Double» hatte er schon im Vorfeld erfahren, dennoch freute er sich riesig: «Die Galas in der Westschweiz bringen mir offensichtlich Glück», freute sich Genoni, der vor drei Jahren in Montreux bereits die Youngster-Auszeichnung eingeheimst hatte. «Beide Auszeichnungen bedeuten mir extrem viel.» Der Goalie bedankte sich aber auch bei seinen Mitspielern, denn «vor allem sie verhalfen mir zu diesen Auszeichnungen».

Gedenken an Flugzeugabsturz

Nicht nur Genoni stand in Vuillérens im Rampenlicht. Verbandspräsident Philippe Gaydoul sprach in seiner Eröffnungsrede vor der illustren Gästeschar den Angehörigen des Teams von Lokomotive Jaroslawl, das letzte Woche verunfallt war, das tiefste Mitgefühl aus. Als Überraschungsgast erschien Michael Schumacher, der siebenmalige Formel-1-Weltmeister. Schumacher stattete der Veranstaltung auf dem Nach-Hause-Weg nach dem GP von Monza (Sonntag) und Tests in England (am Montag) einen Besuch ab. Schumacher: «Natürlich wäre ich aus Monza lieber direkt in meine Wahlheimat zurückgekehrt, aber diese Tests sind nun mal notwendig, damit wir nächstes Jahr hoffentlich ein etwas besseres, erfolgreicheres Auto haben werden.» Schumacher erzählte ausserdem, dass sein Sohn zwar kurz Eishockey gespielt habe, dass er selber in dieser Sportart aber «ein hoffnungsloser Fall» sei. Durch den Abend führten die Fernsehleute Steffi Buchli (SF) und Laurent Bastardoz; für die Unterhaltung sorgten der Zauberer-Schweizer-Meister Christian Bischof und die erfolgreiche Westschweizer Formation Carrousel.

Die weiteren Awards gingen an Glen Metropolit (Zug/PostFinance-Topskorer NLA), Derek Cormier (Topskorer NLB), den Langnauer Trainer John Fust, der die SCL Tigers erstmals in die Playoffs führte (Hockey Award) und Inti Pestoni (Youngster). Der Special Award ging an Jürg Bucher, den Konzernchef der Post, der als CEO der PostFinance massgeblich dafür verantwortlich ist, dass die Postbank seit zehn Jahren mit dem Schweizer Eishockey als Hauptsponsor verbunden ist.

Jubel für Lötscher

Den lautesten und emotionalsten Applaus erhielt Kevin Lötscher, der Gewinner des Awards für den Most Popular Player. Diese reine Publikumswahl gewann der Walliser vor Genoni und Ivo Rüthemann. Die Gäste an der Award-Gala konnten mit Freude und erleichtert zur Kenntnis nehmen, dass sich der im Mai schwer verunfallten Lötscher definitiv auf dem Weg der Genesung befindet. Nach einer Woche Ferien nimmt er am Dienstag das Training wieder auf (nicht auf dem Eis); auf seinem Tagesprogramm steht aber weiterhin extrem viel Therapie. Und wie steht es mit seinem Erinnerungsvermögen? Lötscher: «Von den zwei Wochen vor dem Unfall und den fünf Wochen nach dem Unfall weiss ich fast nichts mehr. Von der WM in Kosice (in den zwei Wochen vor dem Unfall) erinnere ich mich nur noch an den Ausgang am letzten Abend.»