Frische Kopie, mattes Original

Die Kloten Flyers beim 3:0-Sieg bissiger und kreativer als der HC Davos

Für eine fundierte Beurteilung ist die neue Saison natürlich noch viel zu jung. Ein Trend schimmert am Horizont dennoch durch – Kloten läuft Davos den Rang ab. In der 1. Final-Reprise jedenfalls bodigten die Flyers den HCD dank Toren von Liniger, Jacquemet und Blum jeweils zu Beginn der drei Spielabschnitte.

Yves Tardent, Kloten

Die Klotener waren ihrem Gegner an diesem heissen Spätsommerabend punkto Willen, Tempo und Kreativität konstant überlegen. Die Flyers-Equipe mag teuer im Unterhalt sein, scheint zumindest auf dem Eis aber den «return on investment» zu bringen – mit schnellem, bissigem Hockey à la HCD.

Kloten blieb einzig in der Auswertung der Chancen mangelhaft. Unerheblich blieben beim Sieg die etlichen Absenzen, allen voran jene der Ausländer Santala und Nordgren. Ihre Stellvertreter, die beiden Tschechen Šindel und Polak, fügten sich nahtlos ein und kreierten in der Offensive mehr, als im ersten Saisonspiel hatte erwartet werden können. Wie dem Rückkehrer Wick fehlte ihnen allerdings die Effizienz vor dem Tor.

Šindel und Polak hätten aufgrund ihres Hintergrundes auch zum HCD gepasst, bei dem unter der Ägide von Trainer Del Curto schon etliche solcher «No-Names» einschlugen. Die gut ausgebildeten Tschechen fielen nach der letzten Saison zwischen Stuhl und Bank und wollen sich nun bis am 6. Oktober für einen Vertrag in Kloten (oder anderswo) empfehlen. Šindel hatte als Topskorer in Lahti vergeblich auf einen besseren Vertrag gepokert, und Polak strebte als tschechischer Meister eine Luftveränderung an. Am liebsten würde er nach Nordamerika zurückkehren, wo er schon als Junior spielte.

Šindel, eigentlich gelernter Center, wurde gegen Davos am Flügel nominiert, um ihn von defensiver Basisarbeit zu entlasten. Der sensible Techniker, dessen Freundin in der tschechischen Heimat an der Uni Abschlussprüfungen schreibt, überzeugte mit guter Übersicht und mit Passgenauigkeit. Weniger Kunst und dafür mehr Energie verströmte der Flügel Polak. Die beiden suchten und fanden sich oft auf dem Eis. Halten die beiden ihr Rendement, steht das Flyers-Management vor der Qual der Wahl. Momentan wird ausgeschlossen, beide definitiv zu binden.

In Kloten keimt nach dem Sieg das Selbstvertrauen. Doch ist der HCD überhaupt noch das Mass aller Dinge? Der «Meister-Blues» ist das eine – das andere die fehlende Kreativität. Der Torschützenkönig Sykora blieb ohne den zu Lugano abgewanderten, genialen Zubringer Bednar meist wirkungslos. Auch fehlt den Bündnern weiterhin ihr bester Schweizer Stürmer, Guggisberg.

Seine Karriere hängt wegen der chronischen Kniebeschwerden an einem dünnen Faden. Diese Tatsache deprimiert den Berner offensichtlich, nimmt man sein eskapistisches Freizeitverhalten in der Stadt Zürich zum Massstab. Druck verspürt auch der Center Steinmann. Er muss heuer den Schritt vom Kronprinzen zum König machen und die alternden HCD-Stützen Rizzi und Reto von Arx endlich mehr als nur partiell entlasten.