Grosse BLICK Eishockey-Serie Teil 5

Del Curtos Traum: 20 Owetschkins

DAVOS GR - Titelverteidiger HC Davos steht vor einer Herausforderung, aber nicht unter Zugzwang. Trotzdem: Rekord-Coach Del Curto will die nächste Sphäre erreichen.

Von Dino Kessler | Aktualisiert um 16:12 | 30.08.2011

Auf dem Weg zum nächsten Höhepunkt will Arno Del Curto noch zulegen – aber wie will er das nach einer praktisch perfekten Saison und dem 5. Titelgewinn erreichen? «Ich stelle mir vor, mit 20 Owetschkins zu spielen, mit der systematischen Dominanz des FC Barcelona», sagt Del Curto.

«Steigerungspotenzial ist immer vorhanden: Präzisere Pässe, härtere Schüsse, mehr Bewegung ohne Spielgerät, noch mehr Zug aufs Tor. Die Grenzen kannst du gar nie ausloten.»

Andere Trainer verlieren bereits nach zwei oder drei Jahren den Kontakt zur Basis, Del Curto hält die Zügel auch vor der 16. Saison als HCD-Chef fest in der Hand: «Den richtigen Ton zu treffen, ist eine Gabe der Natur. Man darf jederzeit fordern, aber nicht ohne stichhaltige Argumente. Einen Spieler in die Schranken zu weisen allein geht nicht – du musst ihn danach gleich wieder zu dir ranholen.»

Die zügige Spielweise als Gaudi für die Tribüne – das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt der «Speed kills»-Strategie Del Curtos. Das primäre Ziel der Davoser Tempobolzerei ist die Überforderung der Konkurrenz – nicht mehr und nicht weniger.

Gelingt das auch ohne neue Spieler und Jaroslav Bednar, der letzte Saison oft für Überraschungsmomente im Angriff sorgte? Del Curto: «So etwas wird nur zum Problem, wenn man darüber nachdenkt.»

Bis zum Meisterschaftsstart lässt Del Curto seine Meisterhelden nur zu vier Testspielen antreten. «Wir haben etwas den Meisterblues, das ist normal. Es wäre kein Vorteil, die Spieler schon in der Vorbereitung zu forcieren.»

Gelegenheiten zur Bewährung erhält der HCD in dieser Saison noch genug: Neben Meisterschaft und Spengler Cup gehts im Januar in St. Petersburg um die Master Trophy – eine Art Champions League in Turnierform. Del Curto gestern Montag zu BLICK: «Findet die Sache statt, sind wir sicher dabei.»
Der Trainer

Mit fünf Titeln führt der Engadiner Arno Del Curto (55) die Rangliste der erfolgreichsten Coaches der Playoffgeschichte (seit 1986) nun an – vor Lugano-Magier John Slettvoll (4) und Bill Gilligan (SCB, 3). Das ist allerdings nur noch die statistische Bestätigung für eine bereits jetzt einmalige Trainer-Karriere.

Die Transfers

Die Transferbilanz des Meisters ist hellrot: Spektakelstürmer Bednar ging nach Lugano. Negativ: Davos wird für die Gegner berechenbarer. Positiv: Davos wird für die Gegner berechenbarer. Die Kapriolen des Tschechen waren immer etwas für die Galerie, aber nicht immer von Vorteil für die Mannschaft.

Grösste Sorge

Der harte Kern um die Gebrüder Jan (33) und Reto (34) Von Arx, Sandro Rizzi (32) und Josef Marha (35) hat ein Jahr mehr auf dem Buckel. Einen Leistungsabfall könnte jeder dieser vier persönlich locker wegstecken – für die Mannschaft wäre es aber ein grober Eingriff in die bestehende Leistungskultur.

Die Hoffnung

Die zweite Garde mit Bürgler (23), Sciaroni und Dino Wieser (beide 22) schafft den Schritt in die vorderste Reihe. Und bewirkt damit die Entlastung der Leistungsträger in der Quali, damit die Leader ihre Bestform dann ausspielen können, wenns wirklich um die Wurst geht – während der Playoffs.