Peter Guggisberg hat bewegende Monate hinter sich: Der wegen des so genannten «Hasch-CD-Päckli-Gate» vorbestrafte Eishockeyprofi hat im Dezember 2006 erneut Schlagzeilen ausserhalb des Eisrinks produziert: Guggisberg wurde mit 1,8 Promille Alkohol im Blut am Steuer erwischt. Und als Strafe wurde der talentierte Stürmer intern gesperrt bis Ende Jahr 2006.
Am Spengler Cup durfte er also nicht teilnehmen. Und: die geplante Vertragsverlängerung wurde vorerst vertagt. Ein Rauswurf wurde ihm jedoch erspart. Dennoch: Sollte Guggisberg nächste nicht mehr beim HC Davos spielen, wird er mit Angeboten anderer NLA-Teams überhäuft werden. Denn dieser Jüngling führt einen Rucksack voll Talent mit sich und ist begehrt.
Aus dem Emmental kommt so mancher Top-Junior, der es in der Folgezeit bei den «Grossen» zu was bringen kann oder es bereits gebracht hat. Knapp elf Jahre, nachdem der heutige HCD-Starstürmer Reto von Arx in den SCL-Farben als 16-Jähriger auf dem 1. Liga-Eisparkett die Experten aufhorchen liess, hat die Langnauer Nachwuchsabteilung mit Peter Guggisberg einen neuen «Ilfis-Gretzky» hervorgebracht.
Der nun 20jährige Stürmer verfügte schon als 17-jähriger in seiner ersten Saison (einige Wochen sogar in der gleichen Linie neben Todd Elik) über Vollstreckerqualitäten, die in der Schweiz in dieser Altersklasse seinesgleichen suchen. Und letzte Saison brillierte er neben Elik und Höglund in einer Linie. Vor drei Jahren hat der HC Davos zu sich gelockt. Nach den von Arx-Brüdern wurde erneut ein «Ilfis-Gretzky» zu einem «Zeugen Del Curtos».
Im Normalfall schon längst Nationalspieler
Doch damit nicht genug. Trainer Del Curto hält sich nicht zurück mit positiven Aussagen, wenn es um Guggisbergs sportliche Fähigkeiten geht: «Ein Spieler wird in dieser Saison die Liga in Erstaunen versetzen: Peter Guggisberg! Dieser Junge ist exzellent, hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Er ist pfeilschnell, so explosiv und ich wage sogar zu behaupten, dass er nicht nur einer der schnellsten Spieler mit Zug aufs Tor in der Schweiz ist, sondern bald auch weltweit. Er muss nur noch in punkto Härte zulegen, dass werden wir unglaublich Freude an ihm haben. Wenn er richtig geführt wird und so seriös weitermacht wie in den letzten Monaten, ist er sehr bald Nationalspieler!
Ich sage euch eines: Man hat mich schon als «Bajass» bezeichnet, aber dann habe ich wenigstens den Wert des Peter Guggisberg von 300'000 Franken um ein Mehrfaches vergrössert, wenn er nach dieser Saison sich zum Star entwickelt. Trifft das nicht ein, kann man mich von mir aus als Volltrottel bezeichnen.» (lacht).
Nun ja, ausser dass er in den letzten Monaten sportlich stagnierte und privat komplett auf Abwegen driftete. Arno Del Curto muss bei diesem Spieler seine ganzen psychologischen Geschicke aufbieten, um ihn wieder auf Orbit zu bringen.
NHL-Draft
Und Guggisberg ist auch ein brandheisser neuer Schweizer NHL-Draftpick: Als Nummer 116 overall wurde er von den Washington Capitals gezogen und scheint gemäss seinem aktuellen Trainer immer mehr den Biss zu zeigen, es einmal in der NHL zu versuchen.
Die Vorzeichen sind aber schlecht, denn das ehemalige Spitzenteam aus der US-Hauptstadt befindet sich nach einer katastrophalen Saison 2003/04 seit zwei Jahren im Umbruch und hat enorm viele junge Topstars in ihren reihen, die Guggisberg in einigen Belangen überlegen sein dürften. .
Heikle Details beim Transfer
Guggisberg bewegte aber schon vor dem Cannabis-Skandal und vor seiner letzten Entgleisung mit dem Alkohol die Gemüter: Der Transfer mit Peter Guggisberg wurde 2003 seinerzeit in der ersten Phase heikel, denn dieser wollte voll auf die Karte Sport setzen und kündigte seinen Sportlerlehre-Vertrag bei den SCL Tigers. Die Davoser Verhandlungspartner hielten sich jedoch an das ungeschriebene Gesetz, erst nach seinem Entscheid mit ihm Kontakt aufzunehmen.
In einigen Medienberichten speziell im Raume Bern hiess es immer wieder, Davos habe den jungen Mann dazu gedrängt, den Lehrvertrag zu kündigen um ihn mit einem gut dotierten Profivertrag zu locken. Kleine Details sind dazu nicht unwichtig: Im Gegensatz zu einem normalen Arbeitsvertrag ist ein Lehrvertrag bei «wesentlich veränderten Verhältnissen» wie unter anderem auch ein Wohnortwechsel, fristlos kündbar. Die Ablösesumme wäre dann schliesslich nur 128 000 statt stolzen und schon fast unverschämten 600 000 Franken. Schliesslich einigte man sich auf CHF 300'000.- für das «Hockey-Juwel», was sich bald als gute Investition herausstellte.
Eishockey.ch-Scouting Report Peter Guggisberg
JW. - Notengebung 1 bis 7 gemäss einem international anwendbaren Notenschlüssel.
7 = herausragend/Weltklasse, 6= Internationale Klasse, 5= NLA-Spitze,
4= NLA-Durchschnitt, 3= Rollenspieler, 2= NLA-würdig aber mit Mängel,
1= NLA-unwürdig
Technik/Skating: 6
Mentale Stärke: 3
Physis: 3,5
Kondition: 5
Disziplin: 3,5
Taktisches Verständnis: 5
Schusstechnik: 5,5
Killer Instinkt: 4,5
Belastbarkeit: 4,5
Zukunftsaussichten: 5,5
Total: Note 4,6
Von Joël Wüthrich, Working Press Basel- Montreal (Quelle: eishockey.ch)